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Seefeld Triologie  |  Haus Jenewein

2005

Von weitem war es ein brauner Fleck mit blauen Punkten und einem weißen Schriftzug. In der Pension der Oma gab es so eine Spalte beim Fenster des Frühstückraumes, wo man hindurch sehen kann. Zum Jenewein-Haus. Das steht am Geigenbühel und das beruhigt. Die Kultur ist auch hier. Auch wenn verborgen. Frau Jenewein – die Hausbesitzerin und auch selbständige Unternehmerin einer Frühstückspension – hatte allerdings eine besondere Klientel: Schon aufgrund der Architektur kamen da viele Künstler hin, wie zum Beispiel Oskar Werner. Da stand es dann so blau gestrichen und braun gekleidet. Herr Jenewein, der Auftraggeber und Verantwortliche für den Bau des Hauses, war Sozialdemokrat. Auch während der Nazizeit verweigerte er den Hitlergruß mit dem Argument, „‚Grüß Gott’ ist auch ein schöner Gruß.“ Viel an kulturell-historischem gibt es in diesem Ort nicht. Gebaut wurde das Haus um 1930, in der Blütezeit der Moderne, von einem vom Bauhaus beeinflussten sehr wichtigen Architekten. Ein Haus, das auffiel, weil es anders ist als die anderen Häuser.

Jahrzehnte zischen (inklusive einem Selbst) vorbei an dem braunen Haus mit den blauen Fenstern und dem weißen Schriftzug. Auf jeder repräsentativen Postkarte des Ortes ist es abgebildet. Dann verschwand es. Bei Nacht und Nebel abgerissen, ausgetauscht. Gerüchte, dass es unter Denkmalschutz stand, sowie dass es nie unter Denkmalschutz gestanden hätte, da es ein Privathaus war, kursieren bis heute. Die Erben haben dann ein weiteres zu den unzähligen Apartmenthäusern – mit dafür modernem Komfort – im Tiroler Hüttlstil hingebaut. Das Haus ist nicht mehr. Ein Haus, dass ich kannte, dass steht nicht mehr.

Wenn ich mit den Augen blinzle, dann sehe ich von weitem einen braunen Fleck mit blauen Punkten und einem weißen Schriftzug. Auf einem je nach Saison weißen, grünen oder braunen Skihang.

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